Mastix im Mittelalter: Die älteste deutsche Erwähnung des Harzes von Chios
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Mastix wird auf Chios seit der Antike gewonnen – doch seit wann kennt die deutsche Sprache das Wort dafür schriftlich? Eine Spurensuche führt zu einem überraschend genauen Datum.
Mastix wird auf der griechischen Insel Chios seit der Antike gewonnen – das ist bekannt. Weniger bekannt ist, seit wann das Wort „Mastix" überhaupt in deutschen Texten auftaucht. Eine Spurensuche durch mittelalterliche Handschriften führt zu einem überraschend genauen Datum: um 1349–1350.
- Das Wort stammt aus dem Griechischen μαστίχη – verwandt mit „kauen"
- Ältester deutscher Beleg: Konrad von Megenberg, „Buch der Natur", um 1349–1350
- Ab dem 16. Jahrhundert taucht Mastix in Bibel, Kräuterbüchern und Wörterbüchern auf
- Die Verwendung zum Kauen ist seit 700 Jahren unverändert dieselbe
Vom griechischen Baum zum deutschen Wort
Das Wort stammt letztlich aus dem Altgriechischen: μαστίχη (mastíchē) bezeichnete das Harz des Mastixbaums (Pistacia lentiscus), der auf Chios wächst. Über das lateinische mastix bzw. mastiche gelangte der Begriff ins Mittellateinische und von dort in die entstehende deutsche Schriftsprache. Sprachhistoriker bringen das Wort außerdem mit dem griechischen masâsthai bzw. lateinischen masticare – „kauen" – in Verbindung. Ein Wort also, das seine eigene Verwendung im Namen trägt: das Harz, das man kaut.
Der älteste bekannte deutsche Beleg: Konrad von Megenberg, 1349–1350
Der am besten dokumentierte früheste deutschsprachige Beleg für „Mastix" findet sich im „Buch der Natur" von Konrad von Megenberg, verfasst um 1349–1350 – die erste bedeutende naturkundliche Abhandlung in deutscher Sprache.
Gleich zweimal erwähnt Megenberg das Harz. An einer Stelle beschreibt er den Baum, aus dem es fließt:
„…ist ain pâm, von dem vleuʒt ain zäher, der haizt mastix."
(„…ist ein Baum, von dem ein Tropfen/Harz fließt, das Mastix heißt.")
An anderer Stelle erklärt er, wie Mastix mit Ladanum, einem anderen Harz, vermischt wurde:
„ob man ladanum mischt mit dem kraut, daʒ da haizt mastix."
(„wenn man Ladanum mit dem Kraut mischt, das da Mastix heißt.")
Zitiert nach der kritischen Edition von Franz Pfeiffer (1861); überliefert im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm, Bd. VI, Sp. 1718.
Bemerkenswert: Megenberg nennt Mastix an einer Stelle ein „Kraut" – im Mittelalter war die botanische Einordnung von Harzpflanzen offenbar noch nicht ganz einheitlich, auch wenn er an anderer Stelle korrekt von einem Baum spricht.
700 Jahre Mastix im deutschen Sprachraum – die wichtigsten Stationen
👉 Mastix kauen wie vor 500 Jahren
Genau das, was schon Wilhelm Sebiz im 16. Jahrhundert empfahl.
Mehr über Mastix kauenHäufig gestellte Fragen
Was bedeutet das Wort „Mastix" ursprünglich?
Es stammt aus dem Altgriechischen μαστίχη (mastíchē) und ist mit dem Verb „kauen" (griech. masâsthai, lat. masticare) verwandt – das Wort beschreibt also von Anfang an, wie das Harz verwendet wurde.
Gibt es ältere deutsche Belege als Konrad von Megenberg?
Möglich, aber nicht gesichert. Ältere Arzneibücher oder lateinisch-deutsche Glossare könnten das Wort früher enthalten, ließen sich in dieser Recherche anhand der Originaltexte jedoch nicht bestätigen. Megenberg (um 1349–1350) ist der älteste belegte, nicht notwendigerweise der älteste existierende Beleg.
Wird Mastix seit dem Mittelalter auf dieselbe Weise verwendet?
Im Kern ja: Schon im 16. Jahrhundert wird empfohlen, Mastix eine Weile zu kauen – genau die Verwendung, die Mastix-Harz und Mastix-Kaugummi bis heute prägt.
Zusammenfassung
Der älteste belegte deutschsprachige Beleg für „Mastix" stammt aus Konrad von Megenbergs „Buch der Natur" (um 1349–1350) – der ersten bedeutenden Naturgeschichte in deutscher Sprache. Ab dem 16. Jahrhundert wird das Wort über Bibelübersetzungen, Kräuterbücher und die ersten deutschen Wörterbücher zum festen Begriff. Die Verwendung, die schon damals beschrieben wurde – Mastix kauen –, ist bis heute unverändert geblieben.

Die dargestellte Szene ist eine Visualisierung historischer Fakten, die mit dem Ziel geschaffen wurde, das Thema „Mastix" im Mittelalter näherzubringen, und stellt keine originalgetreue Kopie eines mittelalterlichen Werks dar.